Montag, 10. März 2014

Von Brise und Sturm – Colin Vallon und Julian Sartorius präsentieren „Le Vent“



Improvisation ist ein wesentliches Element im Jazz. So gesehen stand dieses Samstagskonzert im Jazzclub Unterfahrt ganz besonders im Zeichen des Jazz. Denn wenn ein Drittel eines Trios krank ist, müssen sich die verbleibenden zwei Drittel etwas einfallen lassen. Und wenn diese zwei Drittel dann auch noch wegen einer hindernisreichen Anreise spät dran sind, dann müssen sie sich eben noch mehr einfallen lassen.
Pianist Colin Vallon und Schlagzeuger Julian Sartorius aus der Schweiz sind gut im Improvisieren. Und so war schließlich der Sound rund, die Bühne vorbereitet, und die beiden saßen mit einer halben Stunde  Verzögerung beim Journalistenduo Oliver Hochkeppel und Ssirus Pakzad in der Lounge. Wer bei dieser Talkrunde dabei war, erfuhr Interessantes und Unterhaltsames zum Musikerleben von Vallon und Sartorius und zur Entstehung des aktuellen Albums „Le Vent“. So etwa, dass Sartorius derart an seinem Schlagwerk-Sammelsurium hängt, dass ihm zuletzt ein verlorener Koffer wirklich schwer zu schaffen machte – der aber zum Glück bald wieder auftauchte.
Im anschließenden Konzert präsentierte der Schlagzeuger ganz gemäß Impro-Plan das erste Set kurzerhand als Solist. Mal hatten seine Eigenkompositionen asiatische Anklänge, mal entstand der wuchtige Sound eines enormen Maschinenwerks, und oft sprangen kleine, feine Pings, Klacks und Wirbel über die Bestandteile seines Multi-Percussion-Bausatzes, den er während des Spielens ständig umbaute. Die Stimmung dieses musikalisch fein gearbeiteten Sets war fast durchweg humoristisch – ganz wie die neckische Art, in der Sartorius es vortrug.
Colin Vallon setzte im zweiten Set am Flügel ebenso minimalistische wie nachdenkliche Kompositionen als Kontrast dagegen. Im Spiel an den Tasten und direkt an den Saiten entlockte er dem Instrument klare, zart schillernde Melodien von sanfter Energie, die den Hörer in sich hineinsinken ließen. Dass die Themen Sterben und Vergänglichkeit zuletzt wesentlichen Einfluss auf seine Kompositionen hatten, war hör- und verstehbar, jedoch ohne ins allzu Schwermütige abzudriften.
Für die Präsentation einiger Stücke aus dem Album „Le Vent“ holte sich Vallon schließlich seinen Mitspieler Sartorius auf die Bühne. Mit kontemplativer Schwermut, doch auch mit hellen, verspielteren Passagen, verwandelte das Duo sein Motiv - den Wind des ständigen Werdens und Vergehens - in facettenreichen Klang. Als Zugabe präsentierten die Musiker eines ihrer neuesten Stücke mit einem etwas fröhlicheren Charakter, dessen Titel klang wie ein freundlicher Abschiedsgruß – „Smile“.

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