Montag, 30. Dezember 2013

Molly erzählt von Silvester



Die Menschen schlagen sich schon wieder die Bäuche voll. Bei dem Essen ist auch ganz schön viel Fleisch dabei. Sie nennen das Fondue. Aber mit Teilen sieht es mal wieder schlecht aus, typisch. Wenn ich die Schnurrhaare nur ein Stück zu weit in Richtung Tisch strecke, dann schaut Gerda schon ganz streng. Ich hab es mir jetzt einfach auf dem Sofa gemütlich gemacht. Die dicke Pelzkugel Becky hat sich auf die Heizung verzogen, um sich den Pelz zu wärmen. Ihre drei kleinen Racker Cleo, Mia und Muck versuchen gerade im Flur das neue Plüschspielzeug zu zerlegen. Von meiner Sofadecke aus beobachte ich, was unsere drei Menschen machen. Als ob das Vollfuttern nicht genug Beschäftigung wäre, spielen sie nebenbei mit Löffeln und Kerzen. Ab und zu kippen sie was aus den Löffeln in eine Schale mit Wasser und klauben kleine Klumpen raus.
„Das sieht aus wie ein Sportwagen“, meint Ian zu einem Klumpen.
„Bestimmt bedeutet das Reichtum“, sagt Gerda.
„Ich finde, das sieht aus wie ein Baum“, meint Lisa. „Vielleicht bedeutet es ein großes inneres Wachstum im nächsten Jahr.“
Gerda schaut sich eine Schachtel an.
„Von Bäumen steht da nichts“, sagt sie.
„Was treiben sie da für einen Unsinn?“, maunzt Becky von der Heizung.
„Sie denken, die Klumpen sagen ihnen was über ihre Zukunft“, miaue ich.
„Die Menschen sind so bescheuert.“
Mit einem großen Gähnen sperrt Becky den Rachen auf, dann macht sie die Augen zu und legt den Kopf auf die Pfoten. Ist schon wahr. Kaum ist dieses komische Weihnachten vorbei – das uns wenigstens neues Spielzeug mit Katzenminze eingebracht hat – fällt den Menschen schon wieder anderer Quatsch ein. Dieses Mal heißt es Silvester. Ian zündet ein Stäbchen an, das anfängt Funken zu werfen.
„Die soll man doch draußen anzünden, der Rauch ist giftig“, beschwert sich Lisa.
Die vergiften uns!“, schimpft Becky.
Aber sie bleibt trotzdem auf der Heizung liegen. Das Funkenstäbchen riecht echt komisch, aber ich weiß auch noch nicht, ob das ein Grund ist, extra vom Sofa aufzustehen. Schon hat Lisa alle Fenster im Wohnzimmer aufgerissen. Brrrr, ist das kalt, wie ätzend.
„Na toll, jetzt wollen sie uns schockfrosten“, maule ich.
Da wäre mir das Funkenstäbchen noch lieber gewesen. Das ist inzwischen sowieso ausgegangen.
„Das ist meiiiiin Ball“, nölt es aus dem Flur.
„Gar nicht wahr“, maunzt es. „Au, mein Ohr, na warte!“
Die drei kleinen Plüschknäuel haben wieder was gefunden, worum sie sich raufen können.
„Schauen wir uns das Feuerwerk draußen an?“, fragt Lisa.
Das finden die anderen Menschen wohl gut, sie ziehen sich alle noch mehr Ersatzfell an und laufen in den Garten.
„Was ist ein Feuerwerk?“, miaut es aus dem Flur.
Cleo steckt ihren Kätzchenkopf zur Tür rein. Gute Frage, ich muss selbst überlegen, was das schnell wieder war.
„Das ist…sag mal, Becky, kannst du dich erinnern, was ein Feuerwerk ist?“
„Irgendsoein nutzloser Menschenkram“, maunzt Becky im Halbschlaf.
„Ähm, also ein Feuerwerk ist…“
Auf einmal geht draußen ein grauenhaftes Krachen, Knallen und Scheppern los. Das war es! So ein Getöse wie kurz vorm Weltuntergang.
„…schleeeeecht!“, miaue ich.
Vielleicht ist es dieses Mal echt das Ende. Oh je, oh je…schnell unters Sofa, da ist es wenigstens dunkel und geschützt, da findet man mich nicht so schnell. Schon kommen die drei Zwerge angewischt wie Fellblitze und kauern sich zitternd ganz eng neben mich. Fast gleichzeitig ist auch Becky da.
„Lauuuut“, jammert Mia.
„Das ist bestimmt gefährlich“, beschwert sich Cleo.
„Angreifer“, bibbert Muck.
„Das wars, jetzt ist es aus“, heult Becky.
„Miiiiiiist“, fällt mir dazu nur ein.
Wenigstens können wir alle zusammen jammern. Wird uns natürlich nicht viel nutzen, wenn gleich alles vorbei ist. So ein Krach, wie schrecklich. Auf einmal wird’s aber weniger. Also, bis jetzt steht noch alles im Revier. Keine Schäden am Haus, keine Fressfeinde aufgetaucht. Es wird immer ruhiger. Wir bleiben erst mal unter dem Sofa sitzen. Mal abwarten, ob die Luft wirklich rein ist. Unsere Menschen kommen wieder reingelaufen.
„So ein tolles Feuerwerk“, sagt Lisa. „Den Goldregen fand ich besonders schön.“
„Was ffff….für ein Goldregen?“, will Cleo wissen.
Sie ist immer noch ganz verschüchtert von dem Lärm.
„Egal, Hauptsache es ist endlich wieder Ruhe“, miaut Becky.
Wir putzen den drei bibbernden Fellknäueln den Pelz, zur Beruhigung. Lisas Kopf taucht neben dem Sofa auf.
„Ach je, ihr Armen, habt ihr euch erschreckt?“
„Was für eine doofe Frage“, mault Becky.
Lisa lockt uns, aber wir denken gar nicht dran, rauszukommen. So eine Zumutung. Bestimmt sind die Menschen an dem schrecklichen Krach schuld. Auf einmal stellt Lisa zwei Schalen vor das Sofa. Aus denen duftet es ziemlich gut.
„Guck mal, Katzenmilch“, stelle ich fest.
Becky schielt auch schon rüber zu den Schalen, die Zwerge recken die Nasen. Also, die Milch können wir da nicht einfach so rumstehen und schlecht werden lassen.
„Das ist auch das Mindeste, für den Schreck“, meint Becky.
Schon hängt sie über einer Schale und schlabbert gierig.
„Sollen wir den Menschen diesen Krach noch mal nachsehen?“, frage ich.
Die Milch ist echt gut, muss ich sagen. Die Kleinen haben auch schon ganz weiße Schnauzen.
„Darüber können wir nachher noch nachdenken“, meint Becky.
Nachher, wenn die Milch alle ist, meint sie wohl. Ich schüttele mir ein paar Tropfen von den Schnurrhaaren. Na, wo sie recht hat.

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