Montag, 25. November 2013

Inspiration – Wie kommt die Geschichte in das Buch?



Ich schreibe. Ständig. An Romanen. Kurzgeschichten. Artikeln. Mich beschäftigen fortlaufend Ideen für Geschichten, Texte. Die witzigste Eigenschaft einer Figur. Die schönste Formulierung für einen Satz. Die unterhaltsamste Pointe für ein Kapitelende. Als Schriftstellerin bin ich jetzt etwa ein Jahr „dabei“. Kurz genug, um noch sehr viel zu lernen. Lang genug, um schon einige Erfahrungen gesammelt zu haben.
Eines  meiner Lieblingsthemen: Inspiration. Woher kommt sie? Wenn ich einen Roman eines anderen Autoren lese, einen Zeitschriftenartikel, frage ich mich das immer als erstes. Wie kommt dieser Schreibmensch auf diese Idee?
Meine Ideen sind Mosaike. Ich glaube, das ist das typische. Ich habe das auch von anderen Autoren schon oft gehört, oft gelesen. Ich erlebe etwas. Jemand anderes erlebt etwas, und ich beobachte es, oder der Mensch erzählt mir davon. Ich lese ein Buch, eine Figur berührt mich. Eine Geschichte aus der Zeitung spricht mich an. Ich sehe etwas in einem Schaufenster. In der U-Bahn. Ich wache aus einem Traum auf und habe ein lebhaftes Bild vor Augen.
Im Mosaik entstehen immer neue Figuren und Geschichten. Sie sind alle Geschöpfe meiner Gedanken, und doch völlig fremd von mir. Sie werden eigenständige Wesen. Eine Figur ist mir ein wenig ähnlich, eine andere gar nicht. Manch eine Figur hat Merkmale verschiedener anderer Personen, ohne ihr jemals annähernd zu entsprechen.
Ich habe eine Figur im Kopf, schreibe sie auf Papier (oder auch direkt in die Datei,) und dann läuft sie los. Manchmal weiß ich ganz genau wohin. Manchmal gar nicht. Zwei Kapitel später begegne ich einer Figur und frage sie, was machst du denn jetzt? Sie sagt, das ist an dieser Stelle der beste dramaturgische Verlauf. Ich sage, na, wenn du meinst. Lass mal sehen, was die anderen Figuren davon halten.
Mein Vorstellungsvermögen hat ziemlich von der Schreiberei profitiert. Zuletzt habe ich an einem Katzenroman gearbeitet. Schöner Spaß, eine Katze zu „sein“. Nicht nur Spaß, auch richtig Arbeit. Aber doch, auch viel Spaß.
Wenn ich abends mit einem Buch auf dem Sofa liege, „liegen“ die Katzen schon mal neben mir. Violetta putzt Nelly den Pelz, Herr Paul fläzt auf dem Regal und Max schnüffelt in jeder Ecke nach was Neuem. Mir gefällt das. Diese Art der Vorstellungskraft ist toll. Ich bin mir ziemlich sicher, jeder der Belletristik schreibt, Bilder malt, Filme macht oder ähnliches hat sie. Wenn man etwas (be-)schreiben, mit Leben erfüllen will, dann muss man es erst wahrnehmen, als sei es wirklich da. So bedeutet Inspiration manchmal auch, einfach den Bildern der eigenen Vorstellungskraft, seinem aktuellen inneren Film, zuzusehen. Ich bin sicher, dass einige Menschen diese Fähigkeit mehr für sich entdecken könnten, wenn sie es bewusst versuchen. Also her mit dem Prosecco und dem Popcorn. Film ab :)!

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